Das erste Album der Berliner Band des Norwegers Erlend Øye hieß “Dreams” und war eine wunderbar leichte Sammlung von träumerisch-taumelnden Gitarren-Pop-Songs. Øye hatte zuvor schon mit den Kings Of Convenience die Simon & Garfunkel der 2000er gegründet und war für deren Debüt als Retter des Fistelstimmen-Folks gepriesen worden (später erschien übrigens das empfehlenswerte Kings-Remix-Album “Versus” mit Versionen von u.a. Four Tet, Ladytron und Röyksopp).
Parallel zu den Kings Of Convenience hatte Øye sich aber auch als singender DJ betätigt, die elektronische Weltreise (jeder Track eine Station, ein Produzent) “Unrest” veröffentlicht und einen DJ-Kicks-Mix für das Label K7 zusammengestellt. Dann landete er schließlich in Berlin und gründete seine neue Band The Whitest Boy Alive. Deren zweites Album erscheint nun und schon der Titel deutet an, das neue Saiten aufgezogen wurden. Das Träumerische ist passé. “Rules” ist diesmal das gestrenge Motto und die R-förmige Menschenmenge auf dem Cover kann es gar nicht abwarten, den Club zu betreten, der auf den gleichen Namen hört. Ein Seitenhieb auf die clubkulturelle Codizes?
Wem bei den ersten Klängen der neuen Platte noch die luftigen Melodien des Debüts in den Ohren klingen, der mag etwas enttäuscht sein. “Rules” beginnt rhythmisch und skizzenhaft. Eine Basslinie, ein paar Synthie-Schlieren, ein präszises minimales Schlagzeug und Øyes helle und distanzierte, jungenhafte Stimme. Schließlich setzt noch das stakkato-artig angeschlagene E-Piano ein: House-Music mit Gitarren. Das neue Sound-Recording-Konzept hat sich der Live-Präsenz von The Whitest Boy Alive angenähert. Doch dadurch, das Øye seine Stimme sparsamer einsetzt und die Musik nun von elementarer Abgespecktheit ist, kommen die Vocals noch mehr zum Tragen als zuvor, treten in den Vordergrund und wirken universeller und plakativer.
Stücke wie “Keep A Secret”, “Timebomb” und “1517″ klingen ein bisschen wie ihre eigenen Club-Remixe. Doch schon auf “Dreams” standen Whitest Boy Alive für eine Pop-Variante, die wie House auf Loops basiert, die relativ dichte Produktion verschleierte das ein wenig. Live coverte die Band allerdings sogar House- und Techno-Klassiker. Auf “Rules” dagegen hat jeder Musiker und damit auch jedes Instrument seinen klar abgegrenzten Handlungs- und Sound-Radius. Dadurch, dass jeder Klang nur den nötigsten Raum einimmt, bleibt für alle mehr und es entwickelt sich eine in der elektronischen Musik allseits bekannte, für handgemachte Pop-Musik eher ungewöhnliche Textur.
Was also bleibt übrig, wenn man alles Unnötige weglässt? Vor allem Rhytmus, Groove, aber auch deutliche Spuren dessen, was The Whitest Boy Alive bisher auzeichnete, die aufgeräumte bis melancholische Stimmung, und auch die Melodien – zarter aufgetragen diesmal, aber nicht minder strahlend.
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The Whitest Boy Alive: Courage
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