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Frank Bretschneider gehört zu den wohl einflussreichsten Experimental-Elektronikern Deutschlands. Bereits 1986 gründete er mit AG Geige eine der einflussreichen Bands der DDR. Schon damals stand die Mischung von Videokunst und Musik für ihn im Mittelpunkt. 1996 gründete er mit Rastermusic, aus dem später Raster-Noton erwuchs, eines der renommiertesten Label für Experimentalmusik weltweit; die „20′ to 2000″-Reihe erhielt den Prix Ars Electronica und wurde als erster digitaler Tonträger in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Bretschneider, der sich mittlerweile aus der Labelarbeit zurückzog, Raster-Noton dennoch als Künstler treu blieb, ist bekannt für sehr präzises Arbeiten mit Soundstrukturen. Sein Sound wurde mal mit der hypnotischen Atmosphäre eines Weltraumbahnhofes verglichen.
Tim unterhielt sich mit Frank Bretschneider unter anderem über die Armut des Klangs bis hin zum reinen Sinus-Ton, der Grenze zwischen Geräusch und Musik sowie über Raster-Notons neues Multiscreen Audio -Visual Projekt das bei der Club Transmediale Premiere feierte. Frank Bretschneiders CTM-Set kannst Du im sonett77-Player hören.
Die diesjährige Club Transmediale steht ja unter dem Motto „Structures“. In wie fern haben übergeordnete Strukturen für Dich bei Entwicklung zu dem Künstler, der Du heute bist, eine Rolle gespielt? Oder konntest Du Dich völlig frei entfalten?
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Siehst Du die Club Transmediale als eine besondere Chance, Dich und Deine Musik zu präsentieren oder ist es für Dich einfach nur ein Gig unter vielen?
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Du bist als Musiker und Videokünstler in Berlin unterwegs. Die Presse rühmt Dich für sehr präzises Arbeiten mit Soundstrukturen. Sie beschreibt Deinen Sound als abstrakt, analog und auf den Punkt gebracht oder auch als „hypnotische Atmosphäre eines Weltraumbahnhofes“. Wie würdest Du selbst deine Musik beschreiben?
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Angefangen Musik zu machen hast du bereits 1984 in der DDR. Ist es inzwischen einfacher oder schwerer geworden als Künstler mit einem so speziellen Sound, wie Du ihn produzierst, Bekanntheit zu erlangen?
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Vor 20 Jahren mussten manche elektronischen Sounds noch umständlich selbst erzeugt werden. Denkst Du, dass die Acts, die heutzutage auf den Markt drängen mit den inzwischen üblichen und einfacher zu bedienenden Programmen eher die Sounds kopieren - oder erkennst Du immer wieder Neues?
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Mit “AG Geige” hast du 1986 nicht nur eine durchaus erfolgreiche sondern auch einflussreiche Band in der DDR gegründet. Schon damals stand die Vermengung von Videokunst und Musik für Dich sehr weit vorne. Videokunst anno 1986 – wie muss man sich das vorstellen?
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Dann war’s mit der Berliner Mauer und der Band vorbei und 1996 hast du zusammen mit Olaf Bender das Label Rastermusic gegründet. Daraus erwuchs dann zusammen mit Carsten Nicolai später das Label raster-noton. Heute gilt raster noton als eines der renommiertesten Labels weltweit und als eines der führenden Label für experimentelle elektronische Musik in Deutschland. Zwar hast Du Dich vorher schon von der Labelarbeit zurückgezogen, bist aber bis heute dem Label als Musiker verbunden geblieben. – Warum hast Du Dich damals aus der Labelarbeit zurückgezogen?
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Bei AG Geige habt ihr eure Kassetten noch im Selbstverlag veröffentlicht. Das Selbstverständnis von raster noton war anders: Ihr habt gesagt, dass Ihr von Anfang an mit den Methoden der Konsumwelt arbeiten wolltet und Euch als Teil von dieser seht. Das erste gemeinsame Release unter dem neuen Label war die Clear-Serie. Du konntest mit Rastermusic schon auf die Strukturen eines konventionellen Kleinlabels inklusive Vertrieb sowie Kontakte im Bereich populärer Musik zurückgreifen. Carsten Nicolai brachte Kontakte zu experimentellen Musikern und eine andere Herangehensweise an die Arbeit des Labels mit. Er soll zum Beispiel vorgeschlagen haben, dass man die CDs auch nach Japan verschicken könnte, woran vorher nicht gedacht wurde. Das Label bringt Bücher (häufig mit CD-Beigaben) und Boxen, in denen spezielle Events, aber auch seine eigene Tätigkeit dokumentiert und begleitet werden heraus. – Dazu noch eine weitere Frage: wie wichtig sind Strukturen, wenn es ums Marketing geht? Kann es sogar sein, dass man sich mit anderen Künstlern zusammenschließt, um seine eigene Szene zu kreieren - um am Ende die Musik vielleicht besser vermarkten zu können oder hätte sich Eure Musik auch einfach aus sich selbst heraus verkauft?
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20′ to 2000 war die erfolgreichste Serie von Raster-Noton und der endgültige Durchbruch des Labels. Die Idee war, beginnend im Januar 1999 jeden Monat bis einschließlich Dezember eine Veröffentlichung eines jeweils anderen Künstlers herauszubringen, in gleichem Design und jeweils genau 20 Minuten lang. Dieser „musikalische Kalender, der in zwölf CD-Veröffentlichungen einen Eindruck von den elektronischen Musik- und Klangforschungen am Ende des 20. Jahrhunderts vermittelt“ wurde weltweit von der Kritik gewürdigt, erhielt den Prix Ars Electronica 2001 und wurde als erster digitaler Tonträger in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Viele Eurer Veröffentlichungen erscheinen als Teil von Serien, die gestalterisch und konzeptionell zusammengehören. Schliesst solch eine Herangehensweise an Produktion, Gestaltung und Bewerbung nicht von vorneherein ein größeres Publikum und damit natürlich auch Käuferschicht aus? Hätte man nicht mehr Leute erreichen können, wenn man sich etwas mehr zum populären Markt hin gewandt hätte?
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Kannst Du rein vom Verkauf Deiner Platten und CDs leben?
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In wie weit hat das Internet Einfluss auf die Produktion und Verbreitung Deiner Musik? Kannst Du deshalb nicht vom Verkauf Deiner Produktionen leben, weil sie zum Beispiel illegal im Netz verbreitet werden? Bringt das Internet eher Vor- oder Nachteile?
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Das spezielle Merkmal Raster-Noton-Veröffentlichungen über alle stilistischen Kategorien hinweg ist eine Armut des Klangs bis hin zum reinen Sinus-Ton. Wo liegt für dich die Grenze zwischen Geräusch und Musik?
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Wann kommt was neues von Dir? Ist ein neues Album geplant?
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Bei der CTM wird raster notons neues Multiscreen Audio-Visual-Projekt Premiere feiern. Diese Installation verbindet Klang, Licht und Architektur. Was ist neu bei diesem Projekt?
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Wie kam der Kontakt zu euren neuen Visualisten zustande?
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Beschreibe doch mal bitte, wie man sich dieses Projekt vorstellen kann.
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Du bist in der ganzen Welt unterwegs. Mexiko oder Shanghai gehörten zu Deinen letzten Reisezielen. Wie beeinflusst dieses Verreisen Deine Musik?
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Das Interview führte Tim Thaler.
Das Set kannst Du im sonett77-Player hören
Sehr schönes Interview ! danke
Any chance of an English transcript?!
@OSc.: huuuuu….
that would be a lot of work and I don’t think that I will find the time in the nearer future. sorry.
Tim
no worries - thanks!
Nice interview - thanks. And great to have some background stuff after having heard and seen the excellent Raster Noton performances at Transmediale.