Get Familiar mixed by Sinden – FabricLive.43

Ende 2007 hatte das britische Produzenten/DJ/Remixer-Duo Graeme Sinden und Dave “Switch” Taylor, alias The Count (of Monte Cristal) & Sinden zusammen mit der US-amerikanischen Rapperin Kid Sister den Clubhit „Beeper“ (2008 auch als EP auf Domino Records erschienen). Ihren zweiwöchentliche Club-Abend Get Familiar im Londoner Fabric hosten sie dagegen schon seit über zwei Jahren. Bei den Club-Gängern ist die Veranstaltung deshalb so beliebt, weil die beiden auf die aktuell angesagten und soon-to-be-totgehörten Dinger scheißen und stattdessen lieber ihre eigene Zukunftsmusik spielen. Noch besser: Sie beschränken sich nicht auf europäische und nordamerikanische Produktionen, sondern suchen den ganzen Globus nach tanzbarer Musik ab, egal ob coming-up – oder chancenlos, aber geil. The Count & Sinden sind als DJs offenbar pausenlos auf dem ganzen Planeten unterwegs, um die frisch gesammelten Pollen von Blüte zu Blüte zu tragen.

In der FabricLive-Reihe erscheint nun mit Katalognummer 43 ein Mix von Sinden, wie er auch bei der „Get-Familiar“-Clubnacht laufen könnte: Auf „Club Action“ von der Female-Rap-Crew Yo Majesty lässt er den eigenen Remix von „Have A Good Time“ des Drum&Bass-Outfits Aquasky folgen. Armand Van Heldens („This Ain’t Holywood“) reicht den Staffelstab weiter an die rauen Baltimore-Rap-Sounds von Scottie B. And King Tutt („African Chant“), von da geht’s weiter zum Sinden-Remix vom schrägen „Township Funk“ des südafrikanischen DJs Mujava. Weitere Stationen: Lissabon (mit dem europäisch-angolanischen Kuduro-Team Buraka Som Sistema) und Manchester (Piddy Py’s „Giggle Riddim“), Grime (JME), Dubstep (Skream) und Garage House (Double S).

Der „Get Familiar“-Mix klingt wie ein schlecht umgerührter Melting Pot. Keine Spur von Pop-Imperialismus oder Ethno-Romantik. Statt cremiger aber tot-conchierter Lindt-Schokolade ist dies eine brodelnde Mischung, die ihre einzelnen Bestandteile sehr wohl erkennen lässt, chili-gewürzt, süß, bitter und mit ganzen Nüssen, verfeinert mit einer Handvoll Asphalt-Splittern. Auch wenn der Schwerpunkt der auf der CD enthaltenen Produktionen auf britischem Boden entstanden ist, sind die unterschiedlichen (Migrations-)Backgrounds der Künstler erkennbar und verweisen damit über den Riesen-Spaß-Faktor dieses Dance-Mixes auf einiges mehr.

(Fabric/Rough Trade)

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