Über die letzten zwei Jahre haben sich MP3-Blogs wie Palm Out Sounds, Disco Dust, Big Stereo, Berlin Battery – und auch Finckobots BRRRLN-Blog – als zentrale Treffpunkte für Pop-Liebhaber aus aller Welt entwickelt. Denn hier gibt es die neuesten, heißesten Remixe als MP3s zum Probehören und Herunterladen. Doch die Musikindustrie will dem frechen Treiben nicht mehr länger zusehen.
Rechtlich bewegen sich die Blogger in einer Grauzone. Zumindest was einen großen Anteil der Songs angeht, die verteilt werden. Auch bei Bootleg-Remixes von Britney Spears, Kanye West und Daft Punk (um ein paar sehr beliebte Künstler zu nennen, die “Opfer” der Bearbeitungen von Underground-Produzenten geworden sind) ist das der Fall: Die Remixer fragen bei den Plattenfirmen und Musikverlagen nicht extra um Erlaubnis, bevor sie einen Song bearbeiten und ihre Version veröffentlichen.
Bis jetzt ließ man den Underground machen: viele Künstler und auch Plattenfirmen haben festgestellt, dass über die Blogs nicht nur der ein oder andere Hype um Newcomer entsteht – sondern auch der Marktwert von bereits etablierten Acts steigt. So gibt es große Überschneidungen in der Liste der Dance- und Remix-Künstler, welche für den diesjährigen Grammy-Award nominiert sind, mit denjenigen, welche auf dem MP3-Blogverzeichnis Hypemaschine am häufigsten erwähnt werden: MGMT, Justice, Diplo.
Doch die lockere Zeit für Blogs scheint vorbei zu sein: seit mehreren Monaten erhalten Blogs DMCA Takedown Notifications. Diese informieren die Blogger lapidar darüber, dass ihre Artikel gelöscht wurden. Begründung: in den Einträgen sind Links zu MP3s aufgetaucht, welche Copyright-Bestimmungen verletzen könnten. Dabei tut sich besonders eine Firma besonders hervor: Google. Auf Geheiß der RIAA, des Verbandes der amerikanischen Musikindustrie, löscht Google von seiner Plattform blogspot fleißig Einträge. Betroffen sind unter anderen Palm Out Sounds, BRRRLN, Analog Giant, Scattermish und Disturbed Beats.
Dabei sind die Löschungen von Blog-Einträgen zunehmend wahllos und willkürlich geworden. Artikel verschwinden immer häufiger und schneller, sogar solche, die Material enthalten, welches von Plattenfirmen selbst zu Promotionszwecken verteilt wird. Gelöscht wird einfach so – welcher Inhalt denn zu der Löschung geführt hat, wird nicht mitgeteilt. So wundern sich Blogger und fragen nach, aber von Google gibt es keine konkreten Antworten – nur eine allgemeine Copyright-Schulung per Dokument. Im Zweifel wird anscheinend nach Suchergebnis gelöscht.
Google hat ja früher versprochen, das die Firma nicht böse sein wolle. Die Löschaktionen sprechen aber eine andere Sprache: Industrieverbände schreiben zuerst an Gesetzen mit und setzen sie mit Hilfe von Riesen-Unternehmen wie Google durch. Das Schlimme: die Löschwut kann künftig auch andere Inhalte als Musik betreffen – und das Google-Vorgehen könnte Schule machen. Dem MP3-Remix-Underground stehen jedenfalls schwere Zeiten ins Haus.
(Artikel by Finckobot + AlxndR.)
Die Blogger befinden sich nicht in einer rechtlichen Grauzone – wer sagt das? Das weiterverteilen (“verschenken”) von Musik die einem nicht gehört ist ein eindeutiger Vorgang. Selbst Musiker die ihre eigene Musik verschenken wollen können das unter Umständen nicht so einfach, sollten sie Verträge mit Plattenfirmen und Verlagen haben. Ob ich nun einen unoffiziellen aka selbstgemachten XYZ-Remix von Britney Spears & Co poste ändert nichts an der Rechtslage. Es finden sich zwar immer mehr Künstler und Firmen mit der Tatsache ab, das das Internet nun mal alles auf den Kopf stellt was eben noch halbwegs kontrollierbar war, aber wie schon gesagt, wenn ich Musik zum Download anbiete die mir nicht gehört, ist die Lage eindeutig: ich mache mich “strafbar”. Praktisch müsste man sich für jedes mp3 eine Genehmigung der Rechteinhaber einholen, ein Hinweis “man supporte den Artist” und man liebe doch die Musik ist totaler Quatsch. Stell dir vor du machst einen Tune, der wird dann ohne dein Wissen überall gepostet – in 320kBit – und darunter steht “if you like the music, buy the record” und dann ein beatport-link, wo das 320er auch her ist… – wie verarscht würdet ihr euch vorkommen? Ich weiss im Endeffekt auch keine Lösung – ausser objektiver informieren und nicht google für etwas beschuldigen, das auf rechtlich sehr festen Beinen steht.
Inwiefern “löscht” Google Blogs? Das kann Google doch nur, wenn sie auf dem eigenen Angebot blogger.com gehostet sind.
Google kopiert zwar das gesamte Internet auf eigene Server, kann aber die Original-Server nicht löschen.
Die Löschaktionen betreffen bis jetzt ausschliesslich Blogs, die auf blogspot gehostet werden. Das gehört zu google.
Andre hat recht, eine Grauzone ist das nicht. zusätzlich der Urheberrechtsverletzung behält sich blogger.com in den AGBs eindeutig vor, Beiträge wie Blogs, selbst bei geringeren Vergehen zu löschen.
Musiker mit digitalem Bewusstsein können ja wie NIN mit CreativeCommons releasen, dann steht einer Verbreitung & Remixung nichts mehr im Weg.