Druckfrisch aus Hamburg liefert das Missy Magazine mit seiner ersten Ausgabe Positionen zur feministischen Popkultur. Was genau die Macherinnen bezwecken und ob es ihnen gelungen ist erfahrt ihr hier!
Das Missy Magazine will „mit einer feministischen Haltung über Popkultur, Politik und Style“ berichten, heißt es im Editorial. Eine Begründung schieben die jungen Redakteurinnen gleich hinterher: „Wenn Popkultur-Journalismus ein Spielplatz ist, dann sind 80 Prozent dieses Spielplatzes von Jungs besetzt.“ Für die Autorinnen steht fest, dass trotz anderslautendem Selbstverständnis geschlechtsspezifische Unterschiede auch im Pop sehr alltäglich sind. Eine gefühlte Lücke am Zeitungskiosk soll mit popkulturellen Themen von, über und für Frauen geschlossen werden.
So wird’s gemacht: Mit viel Ironie werden die Themen der klassischen Frauenzeitschriften durch den Kakao gezogen. In der Kategorie Beauty-Tipp wird erklärt, wie frau sich einen Bart klebt, im TV Dinner werden Rezepte aus Fernsehserien nachgekocht, sogar eine witzige Strickanleitung wird in „How to knit your own Tierchen“ beigesteuert. Außerdem erklärt DJane Vera aus dem Robert-Johnson in Offenbach, wie man zwei Platten richtig ineinander mischt. Gehuldigt wird den bestechend schönen Bildern der Fotografin Birgit Wudtke, ein interessantes Porträt des jungen Ausnahmetalents Soap&Skin gelingt im Interview. Abgerundet wird das ganze durch Reviews zu den neuesten Lieblingsplatten (u.a. Barbara Morgenstern, Grace Jones), Filmen & Büchern. Die Redaktion stellt eine nette und sehr persönliche Auswahl an Heldinnen aus allen Bereichen der Popkultur vor. So weit so gelungen.
Über den popkultulturellen Horizont hinaus begibt sich das Magazin auch auf politisches Terrain, eine gute Idee eigentlich. Leider verlässt die Macherinnen hier der Mut und sie schreiben über Genitalverstümmelungen in Burkina Faso, wie so viele im Moment. Neue Aspekte zeigt die Reportage leider nicht auf, dafür ist sie auch viel zu kurz, wie fast alle Texte im Heft. Selten will man der feministischen Leserin mehr als eine halbe Seite pro Thema zumuten, schade!
Auch bezüglich der Heft-Kategorie Sex scheint die Frage berechtigt, ob man sie nur mit reingenommen hat, damit sich das Blatt besser verkauft. Denn spannend sind die Berichte vom Vibratorenkauf und der Test diverser Kamasutra-Stellungen im Selbstversuch nicht besonders, sie erinnern zu stark an alte Sex & the City Folgen, um heute noch zu begeistern.
Anschaffungsvorschlag: Bisher überzeugt das Missy Magazine vor allem mit anspruchsvollem Bildmaterial wie der Modestrecke zum Streberinnen-Outfit von Silke Weinsheimer. Über den Look der Zeitschrift, der stark ans Junsgheft Intro erinnert, wollen wir mal hinwegsehen. Inhaltlich gibt es leider nicht viel Neues und sowieso kaum Text. Wer sich richtig informieren will, sollte also doch besser auf die zugegeben etwas humorlose und unglamouröse Emma zurückgreifen, da steckt mehr Kontroverse drin. Die Auswahl an porträtierten Musikerinnen und anderen Heldinnen der Autorinnen ist nett, aber auch sehr subjektiv und würde sich wohl auch in einem Blog hinreichend präsentieren lassen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht wird das Missy Magazine in den nächsten Ausgaben mutiger und liefert interessante Reportagen und vor allem Meinung. Wir wünschen es ihr, denn Popkultur für Mädchen ist eine Rundumsupersache und längst überfällig. Sonett77 empfiehlt: Am Ball bleiben und Daumen drücken!
Das “Missy Magazine” erscheint vierteljährlich, ab Oktober 08, für 3,80 Euro am Kiosk. Verlag Missy Magazin GbR, Hamburg. Startauflage: 15.000.
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